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Chronisten unserer Berufsgeschichte notieren für das Jahr 1916 einen ersten Meilenstein berufsständischer Bewegung der beruflich geleisteten Sozialen Arbeit.

Am 11.11.1916 gründete sich in Köln ausgehend vom Katholischen Frauenbund der erste Berufsverband ausgebildeter Sozialarbeiterinnen: der „Verein Katholischer Deutscher Sozialbeamtinnen (VKS)“.

Die damals 35jährige Helene Weber wird erste Vorsitzende und bleibt bis 1933 Vorstandsmitglied in der AG der Berufsverbände der Wohlfahrtspflegerinnen Deutschlands. Als Leiterin einer Sozialen Frauenschule und als Ministerialbeamtin stand sie einem Verband von Fürsorgerinnen vor, der sich auf das Berufsbeamtentum bezog, obgleich sich die Fürsorgerinnen keinesfalls in Beamtenstellen befanden. Dies aus wohlgewählten programmatischen Gründen, denn den Fürsorgerinnen ging es darum, durch den Rückgriff auf den Status des Beamtentums „die Wichtigkeit des Berufs auszudrücken“ (Vgl. Wimmer 2006, S. 24).

Weber ist es auch, die sich einige Jahre später (wie dann erneut in den 1950er Jahren) für eine einheitliche Berufsorganisation einsetzt: „Was uns zur Arbeitsgemeinschaft zusammenfügte, zusammen ‚drängte’, war eine gemeinsame Auffassung des sozialen Berufes. (...) Es mag uns manches trennen in Auffassungen und Auswirkungen; aber dass dieser Beruf der persönlich schaffende und mütterlich gestaltende am Leben unseres Volkes ist, eint uns alle. Der Kampf geht gegen Gleichgültigkeit und Mutlosigkeit, gegen Vereinzelung und Unwissenheit, und nur wenn die kleine Gruppe der Sozialbeamtinnen fest zusammenhält, wird der Schutz der Minderheiten in ihrer Eigenart auf die Dauer erreicht werden.(Weber zit. n. Reinicke 1990).

Dieses Selbstbewusstsein, diese Stärke spiegelt sich in der Person Helene Webers selbst. Und nicht allein als bedeutende Persönlichkeit der katholischen Frauenbewegung: Helene Weber ist die erste Frau, die in Deutschland eine leitende ministerielle Position erringt:
1920 beim preußischen Wohlfahrtsministerium (vgl. Winkelhausen 1998).

Und: ihre Biographie lädt zum Nachdenken ein. Weber, zunächst Volksschullehrerin, studierte Philologie in Bonn und Grenoble und war anschließend im höheren Schuldienst tätig. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges ist sie Mitgründerin, später Leiterin der Sozialen Frauenschule des Kath. Deutschen Frauenbundes in Köln. In der Zwischenkriegszeit wird sie zunächst Referentin, dann 1920 Ministerialrätin in Berlin, ist für Ausbildungsfragen im sozialen Feld und Jugendpflege zuständig und engagiert sich als Schriftleiterin der Verbandszeitschrift „Soziale Berufsarbeit“ .

Unter ihrem Einfluss entstehen Vorgaben für die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspflegerin und sie forciert einheitliche Lehrpläne an den Schulen (vgl. Winkelhausen 1998, S. 611). Die Universität Münster verleiht ihr 1930 den Ehrendoktortitel der Staatswissenschaften. Für die Zentrumspartei ist Weber ab 1921 zudem Angeordnete im preußischen Landtag und dann von 1924 – 1933 Reichstagsabgeordnete. Hier stimmt sie aus Fraktionsdisziplin für Hitlers Ermächtigungsgesetz. Wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ 1933 vom Dienst als Ministerialrätin im preußischen Kultusministerium suspendiert, ist sie dann im Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder in Berlin tätig und steht unter Beobachtung der Gestapo (ebd.).

„Ausgebomdt“, wie man damals sagt, zieht es sie 1943 nach Essen ins von ihr 1932 gegründete Frauenbundhaus am Hedwig-Dransfeld-Platz. Hier sollte später auch der Berufsverband ansässig sein.

Gleich 1945 tritt Weber der neugegründeten CDU bei und wird ein Jahr später Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags. Als Schriftführerin ist sie 1948/49 im Parlamentarischen Rat beteiligt, ist Europaratdelegierte und von 1949 bis zu ihrem Tod 1962 Abgeordnete des Deutschen Bundestags.

Im Deutschen Verein und im Kath. Frauenbund aktiv, wird sie 1952 nach dem Tod von Elly Heuß-Knapp 1. Vorsitzende des Müttergenesungswerks (vgl. ebd).

 – Ein wechselvolles Leben also, geprägt, wie Ilona Winkelhausen unterstreicht, von einem Plädoyer für die geistige Bildung der Frau und einer für die Professionsgeschichte sozialer Berufe nicht unwesentlichen Überzeugung, dass deren, wie man damals meinte, „speziellen“, „mütterliche“ Fähigkeiten, aber auch deren Energien für die Gesellschaft (das „Volksganze“) nutzbar zu machen seien (vgl. Zitat von Weber oben und: Winkelhausen 1998; Fried 2004; für die Soziale Arbeit: Paulini 2001⁾.

Teresa Bock hat das Verdienst Webers anlässlich einer Feierstunde zum 125-jährigen Geburtstag Webers an der Katholischen Fachhochschule NRW so formuliert: „Helene Weber hatte nicht nur die konkrete Not Einzelner im Blick, sondern wurde gleichzeitig politisch aktiv, um Rahmenbedingungen zu verändern und Lebensumstände zu verbessern. Wachsam Entwicklungen in der Gesellschaft zu verfolgen, Menschen am Rand nicht aus dem Blick zu verlieren und Frauen durch Bildung zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen – das ist das Erbe, das uns Helene Weber aufgetragen hat.“ (vgl. KFH NW 2006).

 

Entnommen aus:

Sozial Extra Mai 2007

Offener Beitrag: Geschichte
Zeitzeichen Soziale Arbeit:

90 Jahre Ausdruck „der Wichtigkeit des sozialen Berufs“

Das Jahr 2006 war ein besonderes Jahr für die Soziale Arbeit – galt es doch, ein erfreuliches Jubiläum zu feiern: Vor 90 Jahren wurde die erste berufsständische Vertretung Sozialer Arbeit gegründet

Autor: Michael Böwer

 

 

Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.
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